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Management by Exception (MbE)

Auch: Ausnahmenmanagement, Management nach dem Ausnahmeprinzip

Das Management by Exception (MbE) ist ein Führungsprinzip, das die Aufmerksamkeit von Führungskräften auf jene Situationen lenkt, die signifikant von den festgelegten Plänen, Zielen oder Normen abweichen. Routineaufgaben und Prozesse, die innerhalb der definierten Toleranzgrenzen liegen, werden von den Mitarbeitern eigenverantwortlich ausgeführt, ohne dass ein direktes Eingreifen der Führungsebene notwendig wird. Dadurch können Managementressourcen effizienter auf kritische Problembereiche oder strategische Chancen fokussiert werden.

Beispiel: In der IT-Abteilung eines Unternehmens sind Service-Level-Agreements (SLAs) für die Behebung von Systemstörungen definiert, beispielsweise eine maximale Reaktionszeit von vier Stunden bei kritischen Vorfällen. Solange alle Störungsmeldungen innerhalb dieser Frist bearbeitet werden, läuft der Prozess selbstständig und wird von den Technikern eigenverantwortlich gemanagt. Wird jedoch ein kritischer Vorfall nicht innerhalb der vier Stunden behoben und droht eine Überschreitung der SLA-Frist, wird dies als "Ausnahme" an den IT-Leiter eskaliert. Der IT-Leiter greift nun ein, um die Ursache der Verzögerung zu ermitteln, Ressourcen umzuverteilen oder Eskalationsmaßnahmen einzuleiten, anstatt jeden einzelnen Service-Desk-Vorgang zu überwachen. Dadurch konzentriert er sich auf die Behebung der kritischen Abweichung.

Praxis-Transfer & Strategie

Effizienzsteigerung und Mitarbeiterautonomie

Management by Exception entlastet Führungskräfte von der mikroorientierten Kontrolle routinemäßiger Tätigkeiten. Dies ermöglicht eine stärkere Konzentration auf strategische Entscheidungen, Innovationen und die Lösung komplexer, unvorhergesehener Herausforderungen. Gleichzeitig fördert es die Eigenverantwortung und das Engagement der Mitarbeiter. Indem sie die Freiheit erhalten, innerhalb klar definierter Grenzen selbstständig zu agieren, entwickeln sie ein höheres Maß an Selbstständigkeit und Problemlösungskompetenz. Dies setzt jedoch eine ausgeprägte Vertrauenskultur und die Bereitschaft zur Delegation voraus, ergänzt durch geeignete Schulungsmaßnahmen für die Mitarbeiter.

Kritische Erfolgsfaktoren für die Implementierung

Für den erfolgreichen Einsatz von MbE sind präzise definierte Leistungsindikatoren (KPIs) und Toleranzgrenzen unerlässlich. Diese müssen objektiv messbar, realistisch und für alle Beteiligten transparent sein. Ein robustes Informationssystem zur Abweichungserkennung, das frühzeitig und präzise Meldungen generiert, ist dabei von zentraler Bedeutung. Ohne verlässliche Daten und klare Kommunikationswege droht das System unwirksam zu werden, da entweder zu viele oder zu wenige Ausnahmen gemeldet werden. Die regelmäßige Überprüfung und Anpassung dieser Grenzen an veränderte Marktbedingungen oder Unternehmensziele ist ebenfalls entscheidend.

Grenzen und Risiken

Ein wesentliches Risiko besteht in der Definition der Toleranzgrenzen. Zu enge Grenzen können zu einer Überflutung der Führungsebene mit trivialen Abweichungen führen, was den beabsichtigten Entlastungseffekt zunichtemacht. Zu weite Grenzen hingegen bergen die Gefahr, dass sich geringfügige, aber kumulative Probleme unbemerkt zu ernsthaften Risiken entwickeln, bevor sie die Meldeschwelle erreichen. Dies kann eine schleichende Erosion der Prozessqualität oder Effizienz bedeuten. Zudem kann die alleinige Fokussierung auf Ausnahmen dazu führen, dass Potenziale für kontinuierliche Prozessverbesserungen im Routinebetrieb übersehen werden, da diese oft keine akuten Abweichungen darstellen.

Strategische Wechselwirkungen und Unternehmenskultur

Die Einführung von MbE hat weitreichende Auswirkungen auf die Unternehmenskultur. Es erfordert ein hohes Maß an Vertrauen in die Mitarbeiter und eine offene Fehlerkultur, in der das Melden von Abweichungen nicht sanktioniert, sondern als konstruktiver Beitrag zur Problemlösung verstanden wird. Eine mangelnde Kommunikation über die Ziele und Vorteile des MbE kann dazu führen, dass Mitarbeiter die ausbleibende direkte Führung als Desinteresse wahrnehmen. Strategisch gesehen, muss die Personalentwicklung darauf ausgerichtet sein, Mitarbeiter zu befähigen, innerhalb ihrer Kompetenzen eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen, bevor sie zu Ausnahmen werden. Andernfalls kann das Prinzip zu einer Überlastung der Führungskräfte führen, wenn die Mitarbeiter bei jeder kleinen Unsicherheit an die nächste Hierarchieebene delegieren.

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