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Mehrstufige Äquivalenzziffernkalkulation – Prüfungsaufgabe Schritt für Schritt

Vorschaubild: Äquivalenzziffernkalkulation (mehrstufig) – Übungsaufgabe Schritt für Schritt erklärt

Worum es im Video geht

Die mehrstufige Äquivalenzziffernkalkulation an einer Extrem-Aufgabe: kurz die Divisionskalkulation als Grundlage, dann eigene Äquivalenzziffern für Material und Fertigung, Recheneinheiten und Kosten je Recheneinheit, Herstell- und Selbstkosten je Stück, Stückergebnis und Betriebsergebnis aus der abgesetzten Menge – und die nötige Preiserhöhung der Verlustsorte, mit allen typischen Fehlern.

Erst selbst rechnen? Die Aufgabe ist Aufgabe 8 in unserer Beispiel-PDF, die Lösung steht hinten. Oder online lösen

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Die Aufgabe

Die Sanders Elektrobau GmbH aus Münster fertigt LED-Panels in drei Sorten: 30 x 30 cm, 60 x 60 cm und 30 x 120 cm – hier kurz das kleine, das große und das lange Panel. Gesucht sind die Stückkosten für Oktober. Die Materialkosten werden nach dem Materialeinsatz je Stück verteilt, die Fertigungskosten nach der Fertigungszeit; Richtsorte ist beide Male das kleine Panel.

Gesucht sind in Teil a die mehrstufige Äquivalenzziffernkalkulation für Material und Fertigung, in Teil b Herstell- und Selbstkosten je Stück und in Teil c Stückergebnis, Betriebsergebnis der abgesetzten Menge und die Preiserhöhung, die die Verlustsorte bräuchte.

Weil es die Stufe Extrem ist, bildest du die Äquivalenzziffern selbst. Zwei Sätze solltest du dir markieren: Nicht verkaufte Stück erhöhen den Lagerbestand, und die Verwaltungs- und Vertriebskosten werden je abgesetztem Stück verrechnet.

Materialkosten
21.402,00 €
Materialeinsatz je Stück
1 kg / 1,1 kg / 1,3 kg
Fertigungskosten
77.520,00 €
Fertigungszeit je Stück
40 / 50 / 72 Min.
Verwaltung und Vertrieb
13.400,00 €
Produziert
860 / 800 / 1.500 Stück
Abgesetzt
700 / 700 / 1.280 Stück
Verkaufspreis netto
26,40 / 36,20 / 55,70 €

Lösungsweg Schritt für Schritt

▶ 0:57Grundlage: Divisionskalkulation

Stellt ein Betrieb nur ein einziges Erzeugnis her, ist die Rechnung ganz einfach: Gesamtkosten geteilt durch die hergestellte Menge ergibt die Selbstkosten je Stück.

Wird nicht alles verkauft, was produziert wurde, rechnest du mehrstufig: Die Herstellkosten teilst du durch die produzierte Menge, die Verwaltungs- und Vertriebskosten nur durch die abgesetzte Menge. Das brauchst du in Teil b wieder.

Stellt ein Betrieb dagegen mehrere Sorten her, die sich ähneln, aber nicht gleich viel kosten, reicht die einfache Division nicht. Mit den Zahlen dieser Aufgabe: 21.402,00 € Material ÷ 3.160 produzierte Panels = 6,77 € für jedes Panel. Das lange Panel braucht aber 30 % mehr Material als das kleine – gleiche Kosten für alle würden die einen Sorten zu teuer und die anderen zu billig rechnen. Deshalb: Äquivalenzziffern.

▶ 4:11Äquivalenzziffern bilden

Eine Äquivalenzziffer sagt, wie viel eine Sorte im Verhältnis zur Richtsorte kostet. Die Richtsorte bekommt immer die Ziffer 1, für jede andere Sorte gilt: Wert der Sorte ÷ Wert der Richtsorte. Richtsorte ist hier in beiden Fällen das kleine Panel (30 x 30 cm).

Material (kg je Stück)
kleines Panel 1 kg ÷ 1 kg = 1 · großes Panel 1,1 kg ÷ 1 kg = 1,1 · langes Panel 1,3 kg ÷ 1 kg = 1,3
Fertigung (Minuten je Stück)
kleines Panel 40 ÷ 40 = 1 · großes Panel 50 ÷ 40 = 1,25 · langes Panel 72 ÷ 40 = 1,8

Achtung: Wer beim großen Panel 0,91 herausbekommt, hat den Kehrwert gebildet – also Richtsorte durch Sorte geteilt. Die Sorte steht immer oben im Bruch, und eine Sorte, die mehr Material braucht, muss auch eine Ziffer über 1 bekommen.

Hier zeigt sich, warum die Aufgabe mehrstufig ist: Beim Material braucht das lange Panel 30 % mehr als das kleine, in der Fertigung aber 80 % mehr Zeit. Eine einzige Ziffernreihe würde eine der beiden Kostenarten falsch verteilen. Deshalb bekommt jede Kostenart ihre eigene Ziffernreihe – und ihre eigene Tabelle.

▶ 6:04Recheneinheiten Material

Mit den Recheneinheiten rechnest du jede Sorte auf die Richtsorte um: Ein großes Panel verbraucht so viel Material wie 1,1 kleine. Recheneinheiten sind also Menge × Äquivalenzziffer – mit den produzierten Mengen.

kleines Panel860 × 1860
großes Panel800 × 1,1880
langes Panel1.500 × 1,31.950
=Summe der Recheneinheiten860 + 880 + 1.9503.690

Für 3.690 kleine Panels hätte das Material also gereicht.

Achtung: Wer beim großen Panel 727,27 bekommt, hat die Menge durch die Ziffer geteilt. Eine Sorte mit höherer Ziffer muss mehr Recheneinheiten bekommen, nicht weniger.

▶ 7:23Materialkosten je Recheneinheit und je Stück

Der Zwischenschritt, den du dir merken solltest: Kosten ÷ Summe der Recheneinheiten. 21.402,00 € ÷ 3.690 = genau 5,80 € je Recheneinheit.

Achtung: Wer 6,77 € bekommt, hat durch die Summe der Mengen geteilt statt durch die Recheneinheiten. Das ist genau die einfache Division, die du vermeiden wolltest.

Die Materialkosten je Stück sind Kosten je Recheneinheit × Ziffer:

kleines Panel5,80 € × 15,80 €
großes Panel5,80 € × 1,16,38 €
langes Panel5,80 € × 1,37,54 €

Achtung: Wer beim großen Panel 5,27 € bekommt, hat durch die Ziffer geteilt. Das große Panel braucht mehr Material als das kleine – also muss es auch mehr kosten.

▶ 8:40Materialkosten je Sorte

Die Materialkosten je Sorte sind Kosten je Recheneinheit × Recheneinheiten der Sorte. Zur Probe geht es auch andersherum, mit Menge × Stückkosten: 800 × 6,38 € = 5.104,00 € beim großen Panel.

kleines Panel5,80 € × 8604.988,00 €
großes Panel5,80 € × 8805.104,00 €
langes Panel5,80 € × 1.95011.310,00 €
=Materialkosten gesamt21.402,00 €

Achtung: Wer beim großen Panel 5.614,40 € bekommt, hat die Stückkosten mit den Recheneinheiten multipliziert – dann steckt die Ziffer doppelt drin. Richtig ist Stückkosten × Menge oder Kosten je Recheneinheit × Recheneinheiten.

Kontrolle: Die Summe der Sortenkosten ergibt wieder die 21.402,00 € aus der Aufgabe.

▶ 10:09Fertigung: Recheneinheiten und Kosten je Recheneinheit

Der Weg ist derselbe wie beim Material – nur mit der zweiten Ziffernreihe.

kleines Panel860 × 1860
großes Panel800 × 1,251.000
langes Panel1.500 × 1,82.700
=Summe der Recheneinheiten860 + 1.000 + 2.7004.560

Das sind mehr Recheneinheiten als beim Material, weil das lange Panel in der Fertigung so viel aufwendiger ist. Zwischenschritt: 77.520,00 € ÷ 4.560 = genau 17,00 € je Recheneinheit.

▶ 11:11Fertigung: Stück- und Sortenkosten

Stückkosten sind Kosten je Recheneinheit × Ziffer, Sortenkosten Kosten je Recheneinheit × Recheneinheiten.

kleines Panel je Stück17,00 € × 117,00 €
großes Panel je Stück17,00 € × 1,2521,25 €
langes Panel je Stück17,00 € × 1,830,60 €
kleines Panel gesamt17,00 € × 86014.620,00 €
großes Panel gesamt17,00 € × 1.00017.000,00 €
langes Panel gesamt17,00 € × 2.70045.900,00 €
=Fertigungskosten gesamt77.520,00 €

Kontrolle: Die Summe der Sortenkosten ergibt wieder die 77.520,00 € aus der Aufgabe. Damit ist Teil a geschafft.

▶ 12:16Teil b: Herstellkosten je Stück

Die Herstellkosten sind Material plus Fertigung – beides hast du gerade je Stück ausgerechnet.

kleines Panel5,80 € + 17,00 €22,80 €
großes Panel6,38 € + 21,25 €27,63 €
langes Panel7,54 € + 30,60 €38,14 €

▶ 13:02Verwaltung/Vertrieb und Selbstkosten

Warum kommen die Verwaltungs- und Vertriebskosten nur auf die abgesetzten Stück? Ein Panel, das im Lager liegt, ist noch nicht verkauft – für dieses Panel ist noch kein Vertrieb angefallen. Deshalb sagt die Aufgabe ausdrücklich „je abgesetztem Stück“, genau wie bei der mehrstufigen Divisionskalkulation.

Abgesetzt wurden 700 + 700 + 1.280 = 2.680 Stück. 13.400,00 € ÷ 2.680 = genau 5,00 € je Stück, für jede Sorte gleich.

Achtung: Wer 4,24 € bekommt, hat durch die produzierte Menge geteilt. Die Verwaltungs- und Vertriebskosten gehören nur zu den verkauften Stück.

kleines Panel22,80 € + 5,00 €27,80 €
großes Panel27,63 € + 5,00 €32,63 €
langes Panel38,14 € + 5,00 €43,14 €

Tipp: Selbstkosten je Stück = Materialkosten je Stück + Fertigungskosten je Stück + Verwaltungs- und Vertriebskosten je abgesetztem Stück.

▶ 14:19Teil c: Stückergebnis

Lohnt sich jede Sorte? Das Stückergebnis ist der Nettoverkaufspreis minus die Selbstkosten je Stück.

Tipp: Ein Verlust wird mit Minus eingetragen.

kleines Panel26,40 € − 27,80 €−1,40 €
großes Panel36,20 € − 32,63 €3,57 €
langes Panel55,70 € − 43,14 €12,56 €

Das kleine Panel macht also Verlust, die beiden anderen Sorten Gewinn.

▶ 15:06Betriebsergebnis

Für das Betriebsergebnis nimmst du das Stückergebnis mal die abgesetzte Menge, für jede Sorte – und dann alles zusammen.

kleines Panel700 × (−1,40 €)−980,00 €
+großes Panel700 × 3,57 €2.499,00 €
+langes Panel1.280 × 12,56 €16.076,80 €
=Betriebsergebnis17.595,80 €

Und die Panels im Lager? Das sind 160 kleine, 100 große und 220 lange. Sie gehen zu Herstellkosten ins Lager – Kosten und Wert gleichen sich aus. Das nennt man erfolgsneutral: Gewinn oder Verlust entsteht erst, wenn sie verkauft werden.

Achtung: Wer 20.492,00 € bekommt, hat mit den produzierten Mengen gerechnet statt mit den abgesetzten. Ins Ergebnis gehören nur die verkauften Stück.

▶ 16:33Notwendige Preiserhöhung

Um wie viel Prozent müsste der Preis des kleinen Panels steigen? Langfristig muss ein Preis mindestens die Selbstkosten decken – das ist die langfristige Preisuntergrenze, beim kleinen Panel also 27,80 €.

Die Lücke ist 27,80 € − 26,40 € = 1,40 €. Die beziehst du auf den bisherigen Preis: 1,40 € ÷ 26,40 € × 100 = 5,30 %.

Die Probe: 26,40 € × 1,053 = 27,7992 €, gerundet genau 27,80 €.

Achtung: Wer 5,04 % bekommt, hat die Lücke auf die Selbstkosten bezogen. Eine Preiserhöhung rechnest du immer vom bisherigen Preis aus.

▶ 17:52Das Wichtigste auf einen Blick

Ziffer = Sorte ÷ Richtsorte, Recheneinheiten = Menge × Ziffer – und das für jede Kostenart einzeln. Das Ergebnis entsteht nur aus den verkauften Stück, die Preiserhöhung rechnest du vom bisherigen Preis aus.

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