Zum Inhalt springen

Deckungsbeitrag mit Engpass – Prüfungsaufgabe Schritt für Schritt

Vorschaubild: Optimales Produktionsprogramm mit Engpass berechnen – Übungsaufgabe Schritt für Schritt erklärt

Worum es im Video geht

Mehr Aufträge, als die Maschinen schaffen: Schritt für Schritt an einer Extrem-Aufgabe zur Deckungsbeitragsrechnung. Deckungsbeitrag je Stück und je Maschinenstunde, Rangfolge, das optimale Produktionsprogramm mit einer Lieferverpflichtung, Betriebsergebnis – und der Vergleich mit einem Kollegen, der nach der falschen Kennzahl plant.

Erst selbst rechnen? Die Aufgabe ist Aufgabe 7 in unserer Beispiel-PDF, die Lösung steht hinten. Oder online lösen

PDF herunterladen

Die Aufgabe

Die Iffland Anlagenbau GmbH & Co. KG aus Bamberg fertigt Maschinenkomponenten. Wegen eines Ausfalls in der Vorfertigung sind im Juli die Maschinenstunden knapp: Es gibt mehr Aufträge, als die Anlagen schaffen. Du entscheidest, was gefertigt wird und was nicht. Das ist eine Engpassrechnung auf Extrem-Niveau.

Gesucht sind in Teil a der Deckungsbeitrag je Stück und der relative Deckungsbeitrag je Maschinenstunde, in Teil b Rangfolge und Fertigungsmengen, in Teil c der Deckungsbeitrag je Erzeugnis, der Gesamtdeckungsbeitrag und das Betriebsergebnis. In Teil d plant ein Kollege nach dem höchsten Deckungsbeitrag je Stück. Du berechnest seinen Gesamtdeckungsbeitrag und den Unterschied zu deinem Programm.

Die Spielregeln: Rang 1 erhält das Erzeugnis mit dem höchsten relativen Deckungsbeitrag. Gefertigt werden nur ganze Stück und nicht mehr, als abgesetzt werden kann. Materialkosten und Fertigungslöhne sind variable Kosten, und Lieferverpflichtungen werden vor der Rangfolge eingeplant.

Fertigungsanlagen
2 baugleiche
Kapazität je Anlage
385 Std. im Monat
Umrüstung und Wartung
40 Std. insgesamt
Lieferverpflichtung
20 Montagegestelle
Fixkosten im Monat
41.000,00 €
ErzeugnisPreis je StückMaterial je StückLöhne je StückMinuten je StückHöchstabsatz
Schneckengetriebe405,00 €113,00 €88,00 €18030 Stück
Schutzhauben165,00 €73,00 €20,00 €60370 Stück
Greifermodule185,00 €85,00 €24,00 €60260 Stück
Montagegestelle315,00 €90,00 €71,00 €21060 Stück

Erzeugnisdaten je Monat, wie in der Aufgabe.

Lösungsweg Schritt für Schritt

▶ 2:45Teil a: Deckungsbeitrag je Stück

Der Deckungsbeitrag je Stück ist der Preis minus die variablen Kosten. Variabel sind hier Material und Fertigungslöhne, also zählst du beide zuerst zusammen.

Schneckengetriebe113,00 € + 88,00 €201,00 € variable Kosten
405,00 € − 201,00 €204,00 € je Stück
Schutzhauben73,00 € + 20,00 €93,00 € variable Kosten
165,00 € − 93,00 €72,00 € je Stück
Greifermodule85,00 € + 24,00 €109,00 € variable Kosten
185,00 € − 109,00 €76,00 € je Stück
Montagegestelle90,00 € + 71,00 €161,00 € variable Kosten
315,00 € − 161,00 €154,00 € je Stück

Achtung: Wer 292,00 €, 92,00 €, 100,00 € und 225,00 € erhält, hat nur das Material abgezogen. Materialkosten und Fertigungslöhne sind beide variabel, das steht ausdrücklich in der Aufgabe.

▶ 4:36Warum der Deckungsbeitrag je Stück nicht reicht

Nach dem Deckungsbeitrag je Stück wären die Schneckengetriebe klar die besten: 204,00 €, eine Schutzhaube bringt nur 72,00 €. Knapp ist aber nicht die Stückzahl, knapp sind die Maschinenstunden. Und ein Schneckengetriebe belegt die Anlage drei Stunden lang, eine Schutzhaube nur eine.

Die entscheidende Frage lautet also: Wie viel Deckungsbeitrag bringt eine knappe Stunde? Genau das ist der relative Deckungsbeitrag: Deckungsbeitrag je Stück geteilt durch die Engpasseinheiten je Stück, hier die Maschinenstunden.

▶ 5:20Teil a: Relativer Deckungsbeitrag je Maschinenstunde

In der Tabelle stehen Minuten je Stück. Im Zwischenschritt rechnest du sie in Stunden um, Minuten geteilt durch 60. Dann teilst du den Deckungsbeitrag je Stück durch diese Stunden.

Schneckengetriebe180 Minuten ÷ 603 Std.
204,00 € ÷ 3 Std.68,00 € je Std.
Schutzhauben60 Minuten ÷ 601 Std.
72,00 € ÷ 1 Std.72,00 € je Std.
Greifermodule60 Minuten ÷ 601 Std.
76,00 € ÷ 1 Std.76,00 € je Std.
Montagegestelle210 Minuten ÷ 603,5 Std.
154,00 € ÷ 3,5 Std.44,00 € je Std.

Achtung: Wer 1,13 €, 1,20 €, 1,27 € und 0,73 € erhält, hat durch die Minuten geteilt. Gefragt ist der Deckungsbeitrag je Maschinenstunde.

▶ 6:43Teil b: Rangfolge

Für die Rangfolge zählt nur der relative Deckungsbeitrag. Der höchste Wert bekommt Rang 1.

Rang 1
Greifermodule, 76,00 € je Std.
Rang 2
Schutzhauben, 72,00 € je Std.
Rang 3
Schneckengetriebe, 68,00 € je Std.
Rang 4
Montagegestelle, 44,00 € je Std.

Achtung: Wer die Schneckengetriebe auf Rang 1 setzt (und Schutzhauben 4, Greifermodule 3, Montagegestelle 2), hat nach dem Deckungsbeitrag je Stück sortiert. Bei einem Engpass zählt der Deckungsbeitrag je Engpassstunde.

▶ 7:23Teil b: Verfügbare Stunden und Lieferverpflichtung

Zuerst die Kapazität: zwei Anlagen mit je 385 Std., abzüglich der 40 Std. für Umrüstung und Wartung.

Verfügbare Maschinenstunden
2 × 385 Std. − 40 Std. = 730 Std.
Stunden nach Lieferverpflichtung
730 Std. − (20 Stück × 3,5 Std.) = 660 Std.

Die Montagegestelle stehen auf dem letzten Rang und werden trotzdem zuerst eingeplant, weil es einen Vertrag gibt: Die 20 Stück für den Großkunden in Magdeburg müssen geliefert werden, egal wie gut oder schlecht sie sich rechnen. Deshalb sagt die Aufgabe, dass Lieferverpflichtungen vor der Rangfolge eingeplant werden. Sie belegen 70 Std., für die Rangfolge bleiben 660 Std.

▶ 8:21Teil b: Stunden verteilen – das Produktionsprogramm

Die 660 Std. verteilst du jetzt streng nach Rang, jeweils bis zum Höchstabsatz.

Rang 1: Greifermodule
660 Std. frei ÷ 1 Std. je Stück = 660 Stück, Höchstabsatz 260 Stück → 260 Stück. Es bleiben 400 Std.
Rang 2: Schutzhauben
400 Std. frei ÷ 1 Std. je Stück = 400 Stück, Höchstabsatz 370 Stück → 370 Stück. Es bleiben 30 Std.
Rang 3: Schneckengetriebe
30 Std. frei ÷ 3 Std. je Stück = 10 Stück. Abgesetzt werden könnten 30 Stück, hier greift der Engpass. Es bleiben 0 Std.
Rang 4: Montagegestelle
Lieferverpflichtung vorab eingeplant, keine Stunden mehr frei: 20 Stück + 0 Stück = 20 Stück

Tipp: Das Erzeugnis mit Rang 1 bekommt zuerst so viele Stunden, wie es für seinen Höchstabsatz braucht; die übrigen Stunden gehen an Rang 2 usw.

Zur Probe zählst du die verplanten Stunden zusammen: 70 Std. für die Lieferverpflichtung + 260 Std. + 370 Std. + 30 Std. = 730 Std. Das sind genau die Stunden, die zur Verfügung stehen.

Achtung: Wer auf 30 Schneckengetriebe, 170 Schutzhauben und 60 Montagegestelle kommt, hat die Kapazität nach dem Deckungsbeitrag je Stück verteilt.

Achtung: Wer nur 2 Montagegestelle erhält, hat die Lieferverpflichtung vergessen und alle 730 Std. nach Rang verteilt. Für die Montagegestelle bleiben dann nur 10 Std., und der Großkunde wartet auf 18 Stück.

▶ 10:19Teil c: Gesamtdeckungsbeitrag

Was bringt dieses Programm? Je Erzeugnis rechnest du Menge mal Deckungsbeitrag je Stück und zählst dann zusammen.

Schneckengetriebe10 Stück × 204,00 €2.040,00 €
Schutzhauben370 Stück × 72,00 €26.640,00 €
Greifermodule260 Stück × 76,00 €19.760,00 €
Montagegestelle20 Stück × 154,00 €3.080,00 €
Gesamtdeckungsbeitrag51.520,00 €

Achtung: Wer 47.360,00 € erhält, hat die Rangfolge nach dem absoluten statt nach dem relativen Deckungsbeitrag gebildet. Wer 52.828,00 € erhält, hat die Lieferverpflichtung nicht vorab eingeplant. Das ist zwar mehr, aber der Vertrag gilt, und die Aufgabe verlangt ihn ausdrücklich.

▶ 12:05Teil c: Betriebsergebnis

Erst hier kommen die Fixkosten ins Spiel. Die 41.000,00 € fallen an, egal was gefertigt wird. Für die Rangfolge spielen sie deshalb keine Rolle: Sie ändern nichts daran, welches Programm am meisten Deckungsbeitrag bringt. Gedeckt werden müssen sie trotzdem.

Gesamtdeckungsbeitrag51.520,00 €
−Fixkosten41.000,00 €
=Betriebsergebnis10.520,00 €

Achtung: Wer als Betriebsergebnis 51.520,00 € einträgt, hat die Fixkosten vergessen. Sie werden vom Gesamtdeckungsbeitrag abgezogen.

▶ 12:58Teil d: Vergleich mit dem absoluten Deckungsbeitrag

Ein Kollege plant nach dem höchsten Deckungsbeitrag je Stück. Seine Rangfolge: Schneckengetriebe (204,00 €), Montagegestelle (154,00 €), Greifermodule, Schutzhauben. Auch er hat 730 Std. und plant zuerst die Lieferverpflichtung ein.

Lieferverpflichtung
20 Montagegestelle, 70 Std. → es bleiben 660 Std.
Schneckengetriebe
30 Stück × 3 Std. = 90 Std. → es bleiben 570 Std.
Montagegestelle
40 weitere Stück bis zum Höchstabsatz von 60 × 3,5 Std. = 140 Std. → es bleiben 430 Std.
Greifermodule
260 Stück, 260 Std. → es bleiben 170 Std.
Schutzhauben
170 Stück

Tipp: Auch bei dieser Rangfolge werden zuerst die Lieferverpflichtungen eingeplant.

Gesamtdeckungsbeitrag des Kollegen30 × 204,00 € + 60 × 154,00 € + 260 × 76,00 € + 170 × 72,00 €47.360,00 €
Gesamtdeckungsbeitrag nach relativem Deckungsbeitrag51.520,00 €
=Vorteil der Rangfolge nach relativem Deckungsbeitrag51.520,00 € − 47.360,00 €4.160,00 €

Der relative Deckungsbeitrag bringt 4.160,00 € mehr, mit denselben Maschinen im selben Monat.

▶ 14:49Das Wichtigste in einem Satz

Deckungsbeitrag je Stück mit allen variablen Kosten, durch die Engpassstunden teilen, nach diesem relativen Deckungsbeitrag die Rangfolge bilden und die Stunden verteilen – Lieferverpflichtung zuerst, dann Rang für Rang bis zum Höchstabsatz.

Weitere Videos zur Deckungsbeitragsrechnung

Wie viel du mindestens verkaufen musst, wo die Preisuntergrenze liegt und ob sich ein Zusatzauftrag lohnt, zeigt die Break-even-Analyse. Ob ein Erzeugnis mit Verlust nach Vollkosten aus dem Programm muss, klärt das Video zum Produkt eliminieren.

Jetzt selbst üben

Unbegrenzt neue Aufgaben zur Deckungsbeitragsrechnung, von Leicht bis Extrem – kostenlos als PDF mit Lösungsweg oder online mit Prüfung jedes Rechenschritts.

Zum Generator
App entdecken