Die sechs Regeln zum Nachlesen
▶ 0:58Regel 1: Zeig den Rechenweg
Ein sauberer Rechenweg hat vier Teile: die Formel, die eingesetzten Werte, das Ergebnis mit Einheit und einen kurzen Antwortsatz. Beispiel Handlungskosten: Bezugspreis × Handlungskostenzuschlag = 942,44 € × 24 % = 226,19 €. Die Handlungskosten betragen 226,19 €.
Das kostet nur ein paar Sekunden – und der Prüfer sieht, was du gedacht hast. Steht nur eine Zahl da, ist sie entweder richtig, oder du bekommst nichts.
Das gilt auch für Nebenrechnungen. Die Bezugskosten stehen nicht fertig in der Aufgabe: 100 Stück × 0,7 kg = 70 kg, × 0,20 € = 14,00 €, + 5,00 € Rollgeld = 19,00 €.
Tipp: Schreib „Nebenrechnung“ darüber und übernimm das Ergebnis sichtbar in die Hauptrechnung. Eine Nebenrechnung auf dem Schmierzettel sieht der Prüfer nicht.
▶ 2:28Regel 2: Folgefehler
Angenommen, du nimmst bei den Handlungskosten versehentlich den Bareinkaufspreis statt den Bezugspreis: 221,63 € – falsch. Rechnest du sauber weiter, stimmt jeder weitere Schritt, nur mit dem falschen Wert: Selbstkostenpreis 942,44 € + 221,63 € = 1.164,07 €, 10 % Gewinn 116,41 €, Barverkaufspreis 1.280,48 €. Richtig wären 1.285,49 €.
Das ist ein Folgefehler. Laut den Hinweisen der IHK für Prüfer werden Folgefehler gegebenenfalls berücksichtigt: Für die richtigen Schritte danach kann es trotzdem Punkte geben – aber nur, wenn der Prüfer sie sehen kann.
Tipp: Kommst du bei einem Zwischenschritt gar nicht weiter, nimm einen plausiblen Wert an, schreib dazu, dass es eine Annahme ist, und rechne damit weiter.
▶ 3:57Regel 3: Runden mit System
Gerundet wird kaufmännisch: ab fünf auf, darunter ab. Geldbeträge auf Cent, Prozentsätze meist auf zwei Nachkommastellen, Faktoren wie der Kalkulationsfaktor auf vier. Gibt die Aufgabe etwas anderes vor, gilt die Aufgabe. Beispiel: 1.656,56 € ÷ 100 = 16,5656, gerundet 16,57 € je Stück.
Rechne nicht mit gerundeten Kennzahlen weiter. Mit dem gerundeten Kalkulationsfaktor 1,7577 kommst du vom Bezugspreis auf 1.656,53 € – drei Cent weniger als im Schema. Das ist kein Denkfehler, sondern eine Rundungsdifferenz. Rechne mit den Beträgen aus deinem Schema weiter und schreib kurz dazu, wenn eine Differenz aus der Rundung kommt.
Achtung: Wenn nur ganze Einheiten Sinn ergeben, wird immer aufgerundet: 1.030 Kartons, 40 passen auf eine Palette – 1.030 ÷ 40 = 25,75, du brauchst 26 Paletten.
▶ 5:45Regel 4: Jede Zahl braucht ihre Einheit
Ein Ergebnis ohne Einheit ist nur halb fertig. „75,77“ – Euro, Prozent, Tage? Erst „75,77 % Kalkulationszuschlag“ ist eine Antwort.
Achtung: Gesamt oder je Stück: 1.656,56 € ist der Listenverkaufspreis der ganzen Lieferung, 16,57 € der Preis je Stück. Fragt die Aufgabe nach dem Stückpreis und du schreibst den Gesamtpreis, ist das Ergebnis falsch – auch wenn du richtig gerechnet hast.
Manche Ergebnisse haben gar keine Einheit: Der Kalkulationsfaktor ist eine reine Zahl, 1,7577. Wer „Euro“ dahinterschreibt, zeigt, dass er die Kennzahl nicht verstanden hat.
▶ 6:53Regel 5: Formeln verstehen
Auswendig gelernte Formeln vergisst man unter Druck oder wendet sie auf die falsche Grundlage an. Typisch: Der Kundenskonto bezieht sich auf den Zielverkaufspreis, den du noch nicht kennst. Wer einfach 3 % auf den Barverkaufspreis aufschlägt, landet bei 1.324,05 €. Richtig ist: Barverkaufspreis ÷ 97 % × 100 % = 1.325,25 €. Wer verstanden hat, dass der Barverkaufspreis hier 97 % sind, macht diesen Fehler nicht.
Tipp: Schreib jede Formel erst in Worten hin, bevor du Zahlen einsetzt – „Handelsspanne = Differenz ÷ Listenverkaufspreis“. Dann siehst du sofort, welche Zahl in den Nenner gehört.
Welche Hilfsmittel in der Prüfung zugelassen sind, steht in der Hilfsmittelliste – mehr dazu im Video zum WBQ-Prüfungstag.
▶ 8:04Regel 6: Überschlag und Probe
Der schnellste Test ist der Überschlag: 942,44 € × 24 % ist ungefähr 25 % von 1.000, also 250. 226,19 € passt dazu, 2.261,90 € nicht – da wäre das Komma verrutscht.
Noch sicherer ist die Probe, einmal rückwärts: Zielverkaufspreis 1.325,25 € − Skonto 39,76 € = 1.285,49 € – genau der Barverkaufspreis. Eine Probe kostet eine halbe Minute und rettet oft eine ganze Folge von Rechenschritten.
Tipp: Frag dich bei jedem Ergebnis, ob es Sinn ergibt. Der Listenverkaufspreis muss über dem Bezugspreis liegen. Die Handelsspanne ist immer kleiner als der Kalkulationszuschlag (43,11 % gegen 75,77 %), weil sie durch die größere Zahl teilt – kommt sie bei dir größer heraus, hast du die Nenner vertauscht.
▶ 9:34Dein Taschenrechner
Rechne Prozente als Dezimalzahl – × 0,24 statt mit der Prozenttaste. Die Prozenttaste arbeitet je nach Modell unterschiedlich, und genau das kostet in der Prüfung Nerven. Nutze Klammern, schreib Zwischenergebnisse sofort auf, statt sie nur im Speicher zu haben, und übe mit genau dem Rechner, den du in die Prüfung mitnimmst.
▶ 10:10In der HQ: Rechnen ist erst der Anfang
In der Situationsaufgabe der HQ ist das Ergebnis selten das Ende der Aufgabe. Fast immer folgt: Und was heißt das für das Unternehmen? Schreib deshalb nach jeder Rechnung einen Satz mit Bezug zum Fall – welches Angebot günstiger ist, ob sich die Investition lohnt, ob die Kennzahl gut oder schlecht ist. Wie so ein Urteil aussieht, zeigt das Video zu den Operatoren.
▶ 10:44Die sechs Regeln in Kürze
Rechenweg zeigen: Formel, Werte, Ergebnis, Antwortsatz. Nach einem Fehler sauber weiterrechnen. Kaufmännisch und mit System runden. Jede Zahl mit Einheit, gesamt oder je Stück beachten. Formeln verstehen statt nur lernen. Überschlag und Probe.
Die Aufgabe, aus der alle Beispiele stammen, rechnen wir im Video Handelskalkulation vorwärts komplett durch.