Lösungsweg Schritt für Schritt
▶ 3:03Das Kalkulationsschema ohne Zeilenbezeichnungen
Bevor du rechnest, trägst du die Bezeichnungen ein. Die Zeilen sind schon der halbe Rechenweg. Das Schema gibt es, weil sich Kosten auf zwei Arten verteilen: Material und Löhne für genau diesen Auftrag ordnest du direkt zu, das sind Einzelkosten. Lager, Maschinen und Büro entstehen für den ganzen Betrieb. Diese Gemeinkosten schlägst du mit Prozentsätzen auf die Einzelkosten auf.
Die 970,00 € für die Laborprüfung sind die Sondereinzelkosten der Fertigung, die 400,00 € für die Spezialverpackung die Sondereinzelkosten des Vertriebs. Ab den Selbstkosten geht es nicht mehr um Kosten, sondern um den Preis.
| Fertigungsmaterial | |
| + | Materialgemeinkosten | |
| = | Materialkosten | |
| Fertigungslöhne I | |
| + | Fertigungsgemeinkosten I | |
| + | Fertigungslöhne II | |
| + | Fertigungsgemeinkosten II | |
| + | Sondereinzelkosten der Fertigung | 970,00 € |
| = | Fertigungskosten | |
| = | Herstellkosten | |
| + | Verwaltungsgemeinkosten | |
| + | Vertriebsgemeinkosten | |
| + | Sondereinzelkosten des Vertriebs | 400,00 € |
| = | Selbstkosten | |
| + | Gewinn | |
| = | Barverkaufspreis | |
| + | Kundenskonto | |
| = | Zielverkaufspreis | |
| + | Kundenrabatt | |
| = | Listenverkaufspreis (netto) | |
Das ist der Fahrplan: Einzelkosten, Herstellkosten, Selbstkosten, Listenverkaufspreis – danach der Wunschpreis und die Nachkalkulation.
▶ 4:56Materialkosten
Das Fertigungsmaterial setzt sich aus den Platten und den Beschlägen zusammen: 370 m² × 13,50 € = 4.995,00 €, plus 1.705,00 € für die Beschläge.
Tipp: Zum Fertigungsmaterial gehören alle Stoffe, die direkt in das Erzeugnis eingehen – auch Zukaufteile wie die Beschläge.
| Fertigungsmaterial | 4.995,00 € + 1.705,00 € | 6.700,00 € |
| + | Materialgemeinkosten | 8 % von 6.700,00 € | 536,00 € |
| = | Materialkosten | | 7.236,00 € |
▶ 5:43Fertigungskosten und Sondereinzelkosten
Die Fertigung hat zwei Stellen. Die Löhne ergeben sich aus Stunden mal Stundensatz: 90 Std. × 26,00 € für Fertigung I, 100 Std. × 20,00 € für Fertigung II. Ein Zuschlag über 100 % ist normal – in Fertigung I laufen teure Maschinen, die Gemeinkosten sind höher als die Löhne.
Tipp: Zuschlagsgrundlage der Fertigungsgemeinkosten sind die Fertigungslöhne derselben Fertigungsstelle. Jede Stelle hat ihren eigenen Satz für ihre eigenen Löhne.
| Fertigungslöhne I | 90 Std. × 26,00 € | 2.340,00 € |
| + | Fertigungsgemeinkosten I | 185 % von 2.340,00 € | 4.329,00 € |
| + | Fertigungslöhne II | 100 Std. × 20,00 € | 2.000,00 € |
| + | Fertigungsgemeinkosten II | 135 % von 2.000,00 € | 2.700,00 € |
| + | Sondereinzelkosten der Fertigung | ohne Zuschlag | 970,00 € |
| = | Fertigungskosten | | 12.339,00 € |
Achtung: Wer 5.859,00 € erhält, hat den Zuschlag von Fertigung II auf die Löhne beider Stellen gerechnet.
Warum bekommen die 970,00 € für das Labor keinen Zuschlag? Sondereinzelkosten sind Einzelkosten: Die Laborprüfung fällt nur für diesen einen Auftrag an. Sie verursacht keine zusätzlichen Gemeinkosten, also gibt es auch nichts aufzuschlagen. Sie wird einfach addiert.
Achtung: Wer bei den Fertigungsgemeinkosten I 6.123,50 € erhält, hat die Laborprüfung mit dem Zuschlag belegt.
▶ 7:48Herstellkosten und Selbstkosten
Materialkosten plus Fertigungskosten ergeben die Herstellkosten. Darauf kommen Verwaltung und Vertrieb mit je 6 % und zum Schluss die Spezialverpackung – wieder Sondereinzelkosten, wieder ohne Zuschlag.
Tipp: Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten beziehen sich beide auf die Herstellkosten, also auf Materialkosten plus Fertigungskosten – einschließlich der Laborprüfung.
| Materialkosten | | 7.236,00 € |
| + | Fertigungskosten | | 12.339,00 € |
| = | Herstellkosten | | 19.575,00 € |
| + | Verwaltungsgemeinkosten | 6 % von 19.575,00 € | 1.174,50 € |
| + | Vertriebsgemeinkosten | 6 % von 19.575,00 € | 1.174,50 € |
| + | Sondereinzelkosten des Vertriebs | ohne Zuschlag | 400,00 € |
| = | Selbstkosten | | 22.324,00 € |
An dieser Stelle lauern gleich vier Fehler:
Achtung: Wer 662,40 € Verwaltungsgemeinkosten erhält, hat nur auf die Einzelkosten aufgeschlagen – Material und Löhne. Die Grundlage sind aber die kompletten Herstellkosten.
Achtung: Wer 1.116,30 € erhält, hat die Laborprüfung aus den Herstellkosten herausgenommen. Sie bekommt selbst keinen Zuschlag, gehört aber zu den Herstellkosten.
Achtung: Wer 1.244,97 € Vertriebsgemeinkosten erhält, hat den Vertriebszuschlag auf Herstellkosten plus Verwaltungsgemeinkosten gerechnet. Laut Aufgabe gilt für beide dieselbe Grundlage.
Achtung: Wer 21.924,00 € Selbstkosten erhält, hat die Verpackung vergessen.
▶ 9:50Gewinn und Barverkaufspreis
Bis hierhin hast du gerechnet, was der Auftrag kostet. Ab jetzt rechnest du, was der Kunde zahlen soll. Der Barverkaufspreis ist das, was am Ende wirklich auf dem Konto ankommen soll.
Tipp: Der Gewinnzuschlag bezieht sich auf die Selbstkosten – Gewinn gibt es auf alles, was der Auftrag kostet.
| Selbstkosten | | 22.324,00 € |
| + | Gewinn | 8 % von 22.324,00 € | 1.785,92 € |
| = | Barverkaufspreis | | 24.109,92 € |
Achtung: Wer 1.566,00 € Gewinn erhält, hat den Gewinn auf die Herstellkosten statt auf die Selbstkosten gerechnet.
▶ 10:41Skonto und Rabatt im Hundert
Hier gehen die meisten Punkte verloren. Du kannst nicht einfach 3 % draufschlagen, denn das Skonto bezieht sich nicht auf den Barverkaufspreis, sondern auf den Zielverkaufspreis – und den suchst du gerade erst.
Stell dir einen Zielverkaufspreis von 100 € vor. Zahlt der Kunde mit Skonto, zieht er 3 € ab, bei dir kommen 97 € an. Der Barverkaufspreis ist also nicht 100 %, sondern 97 %. Beim Rabatt gilt dasselbe eine Stufe höher: Er bezieht sich auf den Listenverkaufspreis, der Zielverkaufspreis entspricht 100 % − 15 % = 85 %. Das heißt: im Hundert rechnen.
Tipp: Skonto und Rabatt beziehen sich jeweils auf den Preis, der erst gesucht ist. Deshalb teilst du durch 100 % minus Prozentsatz und multiplizierst mit 100 %.
| Barverkaufspreis (97 %) | | 24.109,92 € |
| + | Kundenskonto | 3 % von 24.855,59 € | 745,67 € |
| = | Zielverkaufspreis (100 %) | 24.109,92 € ÷ 97 % × 100 % | 24.855,59 € |
| + | Kundenrabatt | 15 % von 29.241,87 € | 4.386,28 € |
| = | Listenverkaufspreis netto (100 %) | 24.855,59 € ÷ 85 % × 100 % | 29.241,87 € |
Die Probe: 3 % von 24.855,59 € sind 745,67 € Skonto. Zieht der Kunde sie ab, bleibt genau der Barverkaufspreis übrig. Damit ist Teil a geschafft.
Achtung: Wer 24.833,22 € Zielverkaufspreis erhält, hat 3 % vom Hundert aufgeschlagen. Dann fehlen nach Abzug des Skontos 21,70 €.
Achtung: Wer 28.583,93 € Listenverkaufspreis erhält, hat den Rabatt vom Hundert aufgeschlagen statt im Hundert zu rechnen.
▶ 13:06Teil b: Gewinn oder Verlust zum Wunschpreis
Der Preis je Satz: 29.241,87 € ÷ 80 Sätze = 365,52 €. Der Kunde will aber nur 308,75 € zahlen. Lohnt sich der Auftrag dann noch?
Jetzt drehst du die Richtung um. Der Listenverkaufspreis ist diesmal bekannt, und Rabatt und Skonto beziehen sich jeweils auf den Preis, von dem du gerade kommst. Also rechnest du rückwärts und ziehst die Prozente ganz normal vom Hundert ab.
Tipp: Beim Wunschpreis ist der Listenverkaufspreis bekannt. Deshalb rechnest du rückwärts: Rabatt und Skonto werden vom Hundert abgezogen.
| Listenverkaufspreis zum Wunschpreis | 80 × 308,75 € | 24.700,00 € |
| − | Kundenrabatt | 15 % von 24.700,00 € | 3.705,00 € |
| = | Zielverkaufspreis | | 20.995,00 € |
| − | Kundenskonto | 3 % von 20.995,00 € | 629,85 € |
| = | Barverkaufspreis | | 20.365,15 € |
| − | Selbstkosten | | 22.324,00 € |
| = | Verlust | | −1.958,85 € |
Achtung: Wer +2.376,00 € erhält, hat den Listenpreis direkt mit den Selbstkosten verglichen. Rabatt und Skonto gehen davon aber noch ab.
- Verlust in % der Selbstkosten
- −1.958,85 € ÷ 22.324,00 € × 100 = −8,77 %
Zum Wunschpreis macht die Hartung Objektmöbel also Verlust.
Achtung: Wer −9,62 % erhält, hat durch den Barverkaufspreis geteilt. Gewinn und Verlust beziehen sich immer auf die Selbstkosten – genau wie der Gewinnzuschlag.
▶ 15:29Teil c: Istzuschläge
Warum noch einmal rechnen? Die Angebotskalkulation lief mit Normalzuschlägen. Das sind Erfahrungswerte, denn das Angebot muss raus, bevor die echten Kosten feststehen. Nach dem Monat weiß der Betrieb, was wirklich angefallen ist. Daraus entstehen die Istzuschläge – und die Nachkalkulation zeigt, ob richtig geschätzt wurde.
Tipp: Istzuschlagssatz = Istgemeinkosten ÷ Zuschlagsgrundlage × 100 %, auf zwei Nachkommastellen gerundet. Grundlage für Verwaltung und Vertrieb sind die Herstellkosten des Umsatzes des Monats.
| Istzuschlag | Rechnung | Ist | Normal |
|---|
| Material | 56.520,00 € ÷ 720.000,00 € × 100 | 7,85 % | 8 % |
|---|
| Fertigung I | 296.100,00 € ÷ 140.000,00 € × 100 | 211,50 % | 185 % |
|---|
| Fertigung II | 360.035,00 € ÷ 290.000,00 € × 100 | 124,15 % | 135 % |
|---|
| Verwaltung | 139.315,00 € ÷ 1.870.000,00 € × 100 | 7,45 % | 6 % |
|---|
| Vertrieb | 96.305,00 € ÷ 1.870.000,00 € × 100 | 5,15 % | 6 % |
|---|
Achtung: Wer bei der Verwaltung 12,11 % erhält, hat durch die Einzelkosten geteilt – Material plus Löhne. Wie in der Vorkalkulation sind die Herstellkosten die Grundlage, hier die des Umsatzes.
▶ 18:00Nachkalkulation: Ist-Selbstkosten
Jetzt rechnest du den Auftrag noch einmal – mit denselben Einzelkosten, aber mit den Istzuschlägen. Die Aufgabe sagt ausdrücklich: Einzelkosten und Sondereinzelkosten bleiben unverändert.
| Fertigungsmaterial | | 6.700,00 € |
| + | Ist-Materialgemeinkosten | 7,85 % von 6.700,00 € | 525,95 € |
| + | Fertigungslöhne I | | 2.340,00 € |
| + | Ist-Fertigungsgemeinkosten I | 211,50 % von 2.340,00 € | 4.949,10 € |
| + | Fertigungslöhne II | | 2.000,00 € |
| + | Ist-Fertigungsgemeinkosten II | 124,15 % von 2.000,00 € | 2.483,00 € |
| + | Sondereinzelkosten der Fertigung | | 970,00 € |
| = | Ist-Herstellkosten | | 19.968,05 € |
| + | Ist-Verwaltungsgemeinkosten | 7,45 % von 19.968,05 € | 1.487,62 € |
| + | Ist-Vertriebsgemeinkosten | 5,15 % von 19.968,05 € | 1.028,35 € |
| + | Sondereinzelkosten des Vertriebs | | 400,00 € |
| = | Ist-Selbstkosten | | 22.884,02 € |
Achtung: Wer 1.458,34 € Ist-Verwaltungsgemeinkosten erhält, hat den Istzuschlag auf die alten Herstellkosten aus der Vorkalkulation gerechnet. In der Nachkalkulation gelten die Ist-Herstellkosten.
▶ 20:20Kostenüber- oder -unterdeckung
Bleibt die letzte Frage: Hat die Kalkulation die Kosten gedeckt? Du rechnest Normalkosten minus Istkosten, also die Selbstkosten aus Teil a minus die Ist-Selbstkosten.
- Über- (+) / Unterdeckung (−)
- 22.324,00 € − 22.884,02 € = −560,02 €
Eine Unterdeckung: Kalkuliert wurde mit weniger Kosten, als tatsächlich angefallen sind. Sie kommt vor allem aus Fertigung I mit 211,50 % statt 185 %. Ist- minus Normal-Gemeinkosten dieser Stelle, 4.949,10 € − 4.329,00 €, sind allein 620,10 € mehr als geplant.
Tipp: Normal minus Ist. Positiv ist eine Überdeckung, negativ eine Unterdeckung.
Achtung: Wer +560,02 € erhält, hat Istkosten minus Normalkosten gerechnet und damit das Vorzeichen vertauscht.
▶ 21:23Das Wichtigste in drei Teilen
Einzelkosten mit ihren Zuschlägen zu Herstellkosten, Sondereinzelkosten ohne Zuschlag, Verwaltung und Vertrieb zu den Selbstkosten, Gewinn, Skonto und Rabatt im Hundert bis zum Listenverkaufspreis. Beim Wunschpreis rückwärts vom Hundert – und in der Nachkalkulation: Normal minus Ist.