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Zuschlagskalkulation vorwärts – Prüfungsaufgabe Schritt für Schritt

Vorschaubild: Zuschlagskalkulation mit Wunschpreis und Nachkalkulation – Übungsaufgabe Schritt für Schritt erklärt

Worum es im Video geht

Eine komplette Zuschlagskalkulation auf Extrem-Niveau: die Angebotskalkulation mit zwei Fertigungsstellen und Sondereinzelkosten bis zum Listenverkaufspreis, dann der Wunschpreis des Kunden mit Gewinn oder Verlust und zum Schluss die Nachkalkulation mit Istzuschlägen. Mit allen 14 typischen Fehlern.

Erst selbst rechnen? Die Aufgabe ist Aufgabe 7 in unserer Beispiel-PDF, die Lösung steht hinten. Oder online lösen

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Die Aufgabe

Die Hartung Objektmöbel KG aus Koblenz soll der Kowalczyk Bürobedarf AG ein Angebot über 80 Sätze Küchenfronten schreiben. Dazu kommen zwei Posten, die nur zu diesem Auftrag gehören: eine Materialprüfung durch ein externes Labor und eine Spezialverpackung. Sondereinzelkosten erhalten keinen Zuschlag.

Gesucht sind in Teil a die Angebotskalkulation mit Normalzuschlägen bis zum Listenverkaufspreis netto, in Teil b der Preis je Satz und der Gewinn oder Verlust zum Wunschpreis des Kunden, in Teil c die Istzuschläge des Monats, die Ist-Selbstkosten und die Kostenüber- oder -unterdeckung.

Der Extrem-Zusatz: Das Kalkulationsschema hat 20 Zeilen, aber keine Bezeichnungen. Bis auf die beiden Sondereinzelkosten ist alles leer, auch die Zeilennamen trägst du selbst ein.

Spanplatten und Furnier
370 m² zu 13,50 €
Beschläge
1.705,00 €
Fertigungsstelle I
90 Std. zu 26,00 €
Fertigungsstelle II
100 Std. zu 20,00 €
Laborprüfung / Spezialverpackung
970,00 € / 400,00 €
Material / Fertigung I / Fertigung II
8 % / 185 % / 135 %
Verwaltung / Vertrieb (auf die Herstellkosten)
6 % / 6 %
Gewinn
8 %
Kundenrabatt / Kundenskonto
15 % / 3 %
Wunschpreis des Kunden
308,75 € je Satz
KostenstelleIstgemeinkostenZuschlagsgrundlage
Material56.520,00 €720.000,00 € Fertigungsmaterial
Fertigung I296.100,00 €140.000,00 € Fertigungslöhne
Fertigung II360.035,00 €290.000,00 € Fertigungslöhne
Verwaltung139.315,00 €1.870.000,00 € Herstellkosten des Umsatzes
Vertrieb96.305,00 €1.870.000,00 € Herstellkosten des Umsatzes

Ist-Werte aus der Kostenstellenrechnung des Monats, erst für Teil c. Einzelkosten und Sondereinzelkosten des Auftrags bleiben unverändert.

Lösungsweg Schritt für Schritt

▶ 3:03Das Kalkulationsschema ohne Zeilenbezeichnungen

Bevor du rechnest, trägst du die Bezeichnungen ein. Die Zeilen sind schon der halbe Rechenweg. Das Schema gibt es, weil sich Kosten auf zwei Arten verteilen: Material und Löhne für genau diesen Auftrag ordnest du direkt zu, das sind Einzelkosten. Lager, Maschinen und Büro entstehen für den ganzen Betrieb. Diese Gemeinkosten schlägst du mit Prozentsätzen auf die Einzelkosten auf.

Die 970,00 € für die Laborprüfung sind die Sondereinzelkosten der Fertigung, die 400,00 € für die Spezialverpackung die Sondereinzelkosten des Vertriebs. Ab den Selbstkosten geht es nicht mehr um Kosten, sondern um den Preis.

Fertigungsmaterial
+Materialgemeinkosten
=Materialkosten
Fertigungslöhne I
+Fertigungsgemeinkosten I
+Fertigungslöhne II
+Fertigungsgemeinkosten II
+Sondereinzelkosten der Fertigung970,00 €
=Fertigungskosten
=Herstellkosten
+Verwaltungsgemeinkosten
+Vertriebsgemeinkosten
+Sondereinzelkosten des Vertriebs400,00 €
=Selbstkosten
+Gewinn
=Barverkaufspreis
+Kundenskonto
=Zielverkaufspreis
+Kundenrabatt
=Listenverkaufspreis (netto)

Das ist der Fahrplan: Einzelkosten, Herstellkosten, Selbstkosten, Listenverkaufspreis – danach der Wunschpreis und die Nachkalkulation.

▶ 4:56Materialkosten

Das Fertigungsmaterial setzt sich aus den Platten und den Beschlägen zusammen: 370 m² × 13,50 € = 4.995,00 €, plus 1.705,00 € für die Beschläge.

Tipp: Zum Fertigungsmaterial gehören alle Stoffe, die direkt in das Erzeugnis eingehen – auch Zukaufteile wie die Beschläge.

Fertigungsmaterial4.995,00 € + 1.705,00 €6.700,00 €
+Materialgemeinkosten8 % von 6.700,00 €536,00 €
=Materialkosten7.236,00 €

▶ 5:43Fertigungskosten und Sondereinzelkosten

Die Fertigung hat zwei Stellen. Die Löhne ergeben sich aus Stunden mal Stundensatz: 90 Std. × 26,00 € für Fertigung I, 100 Std. × 20,00 € für Fertigung II. Ein Zuschlag über 100 % ist normal – in Fertigung I laufen teure Maschinen, die Gemeinkosten sind höher als die Löhne.

Tipp: Zuschlagsgrundlage der Fertigungsgemeinkosten sind die Fertigungslöhne derselben Fertigungsstelle. Jede Stelle hat ihren eigenen Satz für ihre eigenen Löhne.

Fertigungslöhne I90 Std. × 26,00 €2.340,00 €
+Fertigungsgemeinkosten I185 % von 2.340,00 €4.329,00 €
+Fertigungslöhne II100 Std. × 20,00 €2.000,00 €
+Fertigungsgemeinkosten II135 % von 2.000,00 €2.700,00 €
+Sondereinzelkosten der Fertigungohne Zuschlag970,00 €
=Fertigungskosten12.339,00 €

Achtung: Wer 5.859,00 € erhält, hat den Zuschlag von Fertigung II auf die Löhne beider Stellen gerechnet.

Warum bekommen die 970,00 € für das Labor keinen Zuschlag? Sondereinzelkosten sind Einzelkosten: Die Laborprüfung fällt nur für diesen einen Auftrag an. Sie verursacht keine zusätzlichen Gemeinkosten, also gibt es auch nichts aufzuschlagen. Sie wird einfach addiert.

Achtung: Wer bei den Fertigungsgemeinkosten I 6.123,50 € erhält, hat die Laborprüfung mit dem Zuschlag belegt.

▶ 7:48Herstellkosten und Selbstkosten

Materialkosten plus Fertigungskosten ergeben die Herstellkosten. Darauf kommen Verwaltung und Vertrieb mit je 6 % und zum Schluss die Spezialverpackung – wieder Sondereinzelkosten, wieder ohne Zuschlag.

Tipp: Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten beziehen sich beide auf die Herstellkosten, also auf Materialkosten plus Fertigungskosten – einschließlich der Laborprüfung.

Materialkosten7.236,00 €
+Fertigungskosten12.339,00 €
=Herstellkosten19.575,00 €
+Verwaltungsgemeinkosten6 % von 19.575,00 €1.174,50 €
+Vertriebsgemeinkosten6 % von 19.575,00 €1.174,50 €
+Sondereinzelkosten des Vertriebsohne Zuschlag400,00 €
=Selbstkosten22.324,00 €

An dieser Stelle lauern gleich vier Fehler:

Achtung: Wer 662,40 € Verwaltungsgemeinkosten erhält, hat nur auf die Einzelkosten aufgeschlagen – Material und Löhne. Die Grundlage sind aber die kompletten Herstellkosten.

Achtung: Wer 1.116,30 € erhält, hat die Laborprüfung aus den Herstellkosten herausgenommen. Sie bekommt selbst keinen Zuschlag, gehört aber zu den Herstellkosten.

Achtung: Wer 1.244,97 € Vertriebsgemeinkosten erhält, hat den Vertriebszuschlag auf Herstellkosten plus Verwaltungsgemeinkosten gerechnet. Laut Aufgabe gilt für beide dieselbe Grundlage.

Achtung: Wer 21.924,00 € Selbstkosten erhält, hat die Verpackung vergessen.

▶ 9:50Gewinn und Barverkaufspreis

Bis hierhin hast du gerechnet, was der Auftrag kostet. Ab jetzt rechnest du, was der Kunde zahlen soll. Der Barverkaufspreis ist das, was am Ende wirklich auf dem Konto ankommen soll.

Tipp: Der Gewinnzuschlag bezieht sich auf die Selbstkosten – Gewinn gibt es auf alles, was der Auftrag kostet.

Selbstkosten22.324,00 €
+Gewinn8 % von 22.324,00 €1.785,92 €
=Barverkaufspreis24.109,92 €

Achtung: Wer 1.566,00 € Gewinn erhält, hat den Gewinn auf die Herstellkosten statt auf die Selbstkosten gerechnet.

▶ 10:41Skonto und Rabatt im Hundert

Hier gehen die meisten Punkte verloren. Du kannst nicht einfach 3 % draufschlagen, denn das Skonto bezieht sich nicht auf den Barverkaufspreis, sondern auf den Zielverkaufspreis – und den suchst du gerade erst.

Stell dir einen Zielverkaufspreis von 100 € vor. Zahlt der Kunde mit Skonto, zieht er 3 € ab, bei dir kommen 97 € an. Der Barverkaufspreis ist also nicht 100 %, sondern 97 %. Beim Rabatt gilt dasselbe eine Stufe höher: Er bezieht sich auf den Listenverkaufspreis, der Zielverkaufspreis entspricht 100 % − 15 % = 85 %. Das heißt: im Hundert rechnen.

Tipp: Skonto und Rabatt beziehen sich jeweils auf den Preis, der erst gesucht ist. Deshalb teilst du durch 100 % minus Prozentsatz und multiplizierst mit 100 %.

Barverkaufspreis (97 %)24.109,92 €
+Kundenskonto3 % von 24.855,59 €745,67 €
=Zielverkaufspreis (100 %)24.109,92 € ÷ 97 % × 100 %24.855,59 €
+Kundenrabatt15 % von 29.241,87 €4.386,28 €
=Listenverkaufspreis netto (100 %)24.855,59 € ÷ 85 % × 100 %29.241,87 €

Die Probe: 3 % von 24.855,59 € sind 745,67 € Skonto. Zieht der Kunde sie ab, bleibt genau der Barverkaufspreis übrig. Damit ist Teil a geschafft.

Achtung: Wer 24.833,22 € Zielverkaufspreis erhält, hat 3 % vom Hundert aufgeschlagen. Dann fehlen nach Abzug des Skontos 21,70 €.

Achtung: Wer 28.583,93 € Listenverkaufspreis erhält, hat den Rabatt vom Hundert aufgeschlagen statt im Hundert zu rechnen.

▶ 13:06Teil b: Gewinn oder Verlust zum Wunschpreis

Der Preis je Satz: 29.241,87 € ÷ 80 Sätze = 365,52 €. Der Kunde will aber nur 308,75 € zahlen. Lohnt sich der Auftrag dann noch?

Jetzt drehst du die Richtung um. Der Listenverkaufspreis ist diesmal bekannt, und Rabatt und Skonto beziehen sich jeweils auf den Preis, von dem du gerade kommst. Also rechnest du rückwärts und ziehst die Prozente ganz normal vom Hundert ab.

Tipp: Beim Wunschpreis ist der Listenverkaufspreis bekannt. Deshalb rechnest du rückwärts: Rabatt und Skonto werden vom Hundert abgezogen.

Listenverkaufspreis zum Wunschpreis80 × 308,75 €24.700,00 €
−Kundenrabatt15 % von 24.700,00 €3.705,00 €
=Zielverkaufspreis20.995,00 €
−Kundenskonto3 % von 20.995,00 €629,85 €
=Barverkaufspreis20.365,15 €
−Selbstkosten22.324,00 €
=Verlust−1.958,85 €

Achtung: Wer +2.376,00 € erhält, hat den Listenpreis direkt mit den Selbstkosten verglichen. Rabatt und Skonto gehen davon aber noch ab.

Verlust in % der Selbstkosten
−1.958,85 € ÷ 22.324,00 € × 100 = −8,77 %

Zum Wunschpreis macht die Hartung Objektmöbel also Verlust.

Achtung: Wer −9,62 % erhält, hat durch den Barverkaufspreis geteilt. Gewinn und Verlust beziehen sich immer auf die Selbstkosten – genau wie der Gewinnzuschlag.

▶ 15:29Teil c: Istzuschläge

Warum noch einmal rechnen? Die Angebotskalkulation lief mit Normalzuschlägen. Das sind Erfahrungswerte, denn das Angebot muss raus, bevor die echten Kosten feststehen. Nach dem Monat weiß der Betrieb, was wirklich angefallen ist. Daraus entstehen die Istzuschläge – und die Nachkalkulation zeigt, ob richtig geschätzt wurde.

Tipp: Istzuschlagssatz = Istgemeinkosten ÷ Zuschlagsgrundlage × 100 %, auf zwei Nachkommastellen gerundet. Grundlage für Verwaltung und Vertrieb sind die Herstellkosten des Umsatzes des Monats.

IstzuschlagRechnungIstNormal
Material56.520,00 € ÷ 720.000,00 € × 1007,85 %8 %
Fertigung I296.100,00 € ÷ 140.000,00 € × 100211,50 %185 %
Fertigung II360.035,00 € ÷ 290.000,00 € × 100124,15 %135 %
Verwaltung139.315,00 € ÷ 1.870.000,00 € × 1007,45 %6 %
Vertrieb96.305,00 € ÷ 1.870.000,00 € × 1005,15 %6 %

Achtung: Wer bei der Verwaltung 12,11 % erhält, hat durch die Einzelkosten geteilt – Material plus Löhne. Wie in der Vorkalkulation sind die Herstellkosten die Grundlage, hier die des Umsatzes.

▶ 18:00Nachkalkulation: Ist-Selbstkosten

Jetzt rechnest du den Auftrag noch einmal – mit denselben Einzelkosten, aber mit den Istzuschlägen. Die Aufgabe sagt ausdrücklich: Einzelkosten und Sondereinzelkosten bleiben unverändert.

Fertigungsmaterial6.700,00 €
+Ist-Materialgemeinkosten7,85 % von 6.700,00 €525,95 €
+Fertigungslöhne I2.340,00 €
+Ist-Fertigungsgemeinkosten I211,50 % von 2.340,00 €4.949,10 €
+Fertigungslöhne II2.000,00 €
+Ist-Fertigungsgemeinkosten II124,15 % von 2.000,00 €2.483,00 €
+Sondereinzelkosten der Fertigung970,00 €
=Ist-Herstellkosten19.968,05 €
+Ist-Verwaltungsgemeinkosten7,45 % von 19.968,05 €1.487,62 €
+Ist-Vertriebsgemeinkosten5,15 % von 19.968,05 €1.028,35 €
+Sondereinzelkosten des Vertriebs400,00 €
=Ist-Selbstkosten22.884,02 €

Achtung: Wer 1.458,34 € Ist-Verwaltungsgemeinkosten erhält, hat den Istzuschlag auf die alten Herstellkosten aus der Vorkalkulation gerechnet. In der Nachkalkulation gelten die Ist-Herstellkosten.

▶ 20:20Kostenüber- oder -unterdeckung

Bleibt die letzte Frage: Hat die Kalkulation die Kosten gedeckt? Du rechnest Normalkosten minus Istkosten, also die Selbstkosten aus Teil a minus die Ist-Selbstkosten.

Über- (+) / Unterdeckung (−)
22.324,00 € − 22.884,02 € = −560,02 €

Eine Unterdeckung: Kalkuliert wurde mit weniger Kosten, als tatsächlich angefallen sind. Sie kommt vor allem aus Fertigung I mit 211,50 % statt 185 %. Ist- minus Normal-Gemeinkosten dieser Stelle, 4.949,10 € − 4.329,00 €, sind allein 620,10 € mehr als geplant.

Tipp: Normal minus Ist. Positiv ist eine Überdeckung, negativ eine Unterdeckung.

Achtung: Wer +560,02 € erhält, hat Istkosten minus Normalkosten gerechnet und damit das Vorzeichen vertauscht.

▶ 21:23Das Wichtigste in drei Teilen

Einzelkosten mit ihren Zuschlägen zu Herstellkosten, Sondereinzelkosten ohne Zuschlag, Verwaltung und Vertrieb zu den Selbstkosten, Gewinn, Skonto und Rabatt im Hundert bis zum Listenverkaufspreis. Beim Wunschpreis rückwärts vom Hundert – und in der Nachkalkulation: Normal minus Ist.

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Steht der Preis schon fest und ist gesucht, wie viel Material höchstens drin sein darf, rechnest du das Schema rückwärts. Stehen Kosten und Preis beide fest und fehlt nur der Gewinn, hilft die Differenzkalkulation.

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